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Aromatherapie: Heilen mit Düften – geht das?

Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenauszüge, die intensiv duften. Menschen schätzen solche natürlichen Parfums seit Tausenden von Jahren. Allerdings nicht nur wegen ihres angenehmen Geruchs, sondern auch wegen ihrer wohltuenden Wirkung bei verschiedensten Beschwerden.


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Einige Wirkungen ätherischer Öle kennt fast jeder: Allen voran etwa die wohltuende, atemwegbefreienden Effekte von Eukalyptusöl, das wesentlicher Bestandteil von Einreibungen gegen Erkältungen oder von Hustenbonbons ist, die entzündungshemmende Wirkung von Kamillenextrakten oder die gute Wirkung von Thymian gegen bakterielle Infektionen wie etwa Bronchitis.

Herumgesprochen hat sich auch die sehr gute Wirksamkeit ursprünglich „exotischer“ Hausmittel wie neuseeländischem oder australischem Teebaumöl zur Desinfektion von infizierten Wunden und Insektenstichen oder von asiatischem Tigerbalm (Hauptbestandteil Cajeput-Öl) bei Erkältungen und Gelenkschmerzen bzw. japanischem Heilöl (Pfefferminzöl) gegen Kopf- oder Magenschmerzen.

Die Wirkung dieser Öle wurden mittlerweile auch wissenschaftlich überprüft und bestätigt So wirkt etwa Teebaumöl tatsächlich ausgesprochen stark nicht nur gegen viele Bakterien, sondern auch gegen Viren und Pilze. Es kann daher beispielsweise erfolgreich bei Lippenherpes, Aphten, Zahnfleischentzündungen, Abszessen bis hin zu Fuß- und Nagelpilz zum Einsatz kommen.

Pfefferminze gegen Kopfschmerz

Pfefferminzöl hat sich in Studien - insbesondere bei Spannungskopfschmerzen - als ebenso wirksam wie das Schmerzmittel Paracetamol erwiesen. Es genügt, kleine Mengen Pfefferminzöl auf die Schläfen oder andere Punkte der Kopfhaut zu tupfen. Das Öl bewirkt eine kühlende Empfindung, steigert zugleich messbar die Durchblutung und verändert die Durchlässigkeit der Kalziumkanäle an den Nervenzellen, sodass sich auch deren Aktivität verändert. Der Schmerz lässt innerhalb weniger Minuten nach. In ähnlicher Weise setzen Zahnärzte seit langen schon Nelkenöl bzw. dessen Hauptwirkstoff Eugenol ein um Zahnschmerzen zu lindern oder die Mundschleimhaut lokal leicht zu betäuben.

Wirksam gegen resistente Keime

Sehr beeindruckend ist die nachgewiesene Wirksamkeit mehrerer ätherischer Öle gegen Keime, denen mit Antibiotika nicht mehr beizukommen ist, weil sie dagegen Resistenzen entwickelt haben. Dies ist durch den verbreiteten Einsatz von synthetischen Antibiotika inzwischen insbesondere in Krankenhäusern zu einem großen Problem geworden, das alljährlich tausende (!) Menschen das Leben kostet.

Untersuchungen und praktische Erfahrungen am Krankenhaus München-Neuperlach belegen, dass Öle sich sowohl präventiv wie auch bei der Behandlung solcher Infektionen bewähren. Weil es sich bei ätherischen Ölen um komplexe Gemische mit einer Vielzahl von Wirkstoffen handelt, die Bakterien von verschiedenen Seiten gleichzeitig zusetzen, ist deren Anpassungsfähigkeit hier überfordert.

Vieles spricht daher dafür, dass die Verwendung von ätherischen Ölen im Krankenhaus als wichtige Maßnahme des Hygienestandards erwogen werden sollte. Bei leichten alltäglichen Infektionen ließe sich der Einsatz von Antibiotika durch gezielte Verwendung von ätherischen Ölen sehr wahrscheinlich deutlich reduzieren.

Anders als viele andere Arzneimittel brauchen ätherische Öle nicht unbedingt eingenommen werden, um ihre Wirkung entfalten zu können. Oft reicht es schon, sie einzuatmen oder auf die Haut aufzubringen. Die flüchtigen Wirkstoffe können nachweislich Haut und (Nasen-)schleimhäute durchdringen und so in den Organismus gelangen. In der Aromatherapie werden ätherische Öle daher oft auch mittels Duftlampen, Duftkissen, oder Räucherungen angewandt. Die mag ein Grund dafür sein, dass diese Therapieform von Kritikern gerne als esoterisch angesehen und missachtet wird.

Stimmungsaufhellend, entspannend, beruhigend

Dazu kommen die psychischen Wirkungen der meisten ätherischen Öle. Wie alle Düfte werden sie im Riechhirn verarbeitet, das alle Eindrücke eng mit alten Erinnerungen und emotionalen Reaktionen verknüpft. Düfte können sich daher unmittelbar auf die Stimmungslage eines Menschen auswirken. Zudem haben einige Bestandteile von ätherischen Ölen offenbar auch eine ähnliche Struktur wie psychisch wirksame synthetische Substanzen bzw. körpereigene Stoffe, die an der Entstehung von Glücksgefühlen beteiligt sind. Sie können daher zum Teil an den selben Stellen im Nervensystem andocken wie diese und vergleichbare Wirkungen entfalten. Entsprechendes wurde zum Beispiel erst kürzlich für natürliches Lavendelöl und auch für einen an Jasmin erinnernden künstlichen Duftstoff nachgewiesen:

Die Lavendel-Wirkstoffe verhalten sich tatsächlich ähnlich wie der synthetische Wirkstoff Pregabalin, der zur Behandlung generalisierter Angstzustände zugelassen ist, und lindern Angstzustände offenbar genauso stark wie das Benzodiazepin Lorazepam. Dazu muss das Lavendelöl aber in magensaftresistenten Kapsel relativ hochdosiert innerlich eingenommen werden, um schließlich über das Blut ins Gehirn zu gelangen. Erreicht der Lavendelduft das zentrale Nervensystem über die Nase, sind die Effekte weniger stark.

Der von Bochumer Wissenschaftlern untersuchte künstliche Jasmin-ähnliche Duftstoff verstärkt die Wirkung des Transmitters GABA im Gehirn. In höheren Konzentrationen wirkt er daher wie ein starkes Beruhigungs- oder Schlafmittel. Diese Ergebnisse lassen sich jedoch nicht 1:1 auf ätherisches Jasminöl übertragen, das ganz anderes zusammengesetzt ist. Seine psychischen Effekte beschreiben Aromatherapeuten eher als euphorisierend-entspannend sowie Lust fördernd.

Sie vermuten, dass dies mit der Anregung der Ausschüttung körpereigener Opiate durch den Duft zu tun haben dürfte. Dennoch warnen auch Aromatherapie-Experten vor betäubende Effekte von ätherischem Jasminöl in hohen Dosierungen.

Stimmungsaufhellende, entspannende und beruhigende Wirkungen von ätherischen Ölen können nicht zuletzt auch für Menschen interessant sein, die sich durch eine chronische Hauterkrankung wie eine Schuppenflechte stark belastet fühlen. Im Alltag bietet es sich an, solche Öle in Duftlampen oder Kosmetika zu verwenden. Als Stimmungverbesserer besonders bewährt haben sich neben den oben genannten beispielsweise zitrusartige Düfte wie Grapefruit, Mandarine oder Bergamotte. 

Wirksamkeit bei Schuppenflechte

Was die unmittelbaren Wirkungen auf die chronisch an Schuppenflechte erkrankte Haut angeht, scheinen ätherische Öle alleine nicht gerade Wunder zu versprechen. Jedenfalls reagierten die Aromatherapeuten, denen PSO aktuell diese Frage gestellt hat, eher zurückhaltend. Und in den meisten Nachschlagewerken zur Aromatherapie, in denen „Schuppenflechte“ oder „Psoriasis“ als mögliches Einsatzfeld für ätherische Öle genannt wird, weichen die Empfehlungen der verschiedenen Autoren teilweise erheblich voreinander ab.

Dies liege daran, erklärt Eliane Zimmermann, Fachbuchautorin und Referentin für Aromatherapie, dass „Aromatherapeuten ihre Patienten ganzheitlich betrachten.“ Gerade bei chronischen Erkrankungen sei es dann schwer, allgemein gültige Empfehlungen zu geben. „Denn ähnlich wie in der Homöopathie muss der Therapeut den Patienten sehen und sprechen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Mittel für diese Person wahrscheinlich die richtigen sind. Das ist individuell zum Teil sehr unterschiedlich.“

Zum anderen gibt es bisher auch keine Studien über den Einsatz von ätherischen Ölen bei psoriatischen Hautveränderungen. Die Therapeuten stützen sich daher vor allem auf unterschiedliche praktische Erfahrungen. „Ätherische Öle eignen sich vor allem in Kombination mit geeigneten fetten Ölen oder Pflanzenbuttern zur Unterstützung der Hautpflege“, sagt Margret Demleitner, Ruhpolding, Leiterin des Arbeitskreises Aromatherapie beim Bund Deutscher Heilpraktiker. Sie könnten die pflegende Wirkung der fetten Öle auf die Haut erkennbar verstärken. Günstig seien dafür ihrer Erfahrung nach unter anderem Öle wie etwa Patchouli, Sandelholz oder Benzoe mit einem hohen Sesquiterpen-Anteil, weil diese Wirkstoffe auf die Haut besonders regenerierend wirken und zugleich die Psyche stabilisieren und beruhigen. Aber auch Immortelle, Schafgarbe, Kamille oder Bergamotte kämen als hautfreundlich in Frage.

Aromapraktikerin Christiane Lübke, Fachkrankenschwester am Klinikum Großhadern in München, mag gar keine allgemeine Empfehlungen geben: „Es kommt immer auf den Einzelfall an. Wenn die Ursache für die Schuppenflechte bei einem Menschen eher im psychischen Bereich ist, werde ich für ihn andere ätherische Öle mischen als für jemanden, bei dem diese Ursache keine so große Rolle spielt.“ Wichtig sei vor allem, dass die Betroffenen den Geruch der verordneten Öle auch mögen. „Wenn jemand Patchouli nicht ausstehen kann, brauche ich ihm das auch nicht zu empfehlen.“ Es sei daher sicher nicht verkehrt, wenn sich Betroffene, die sich selber auf die Suche nach geeigneten ätherischen Ölen machen, bei der Auswahl nicht nur von Empfehlungen, sondern auch mit von der eigenen Nase leiten lassen.

Kleine Mengen sind ausreichend

Hinsichtlich der Dosierung raten die meisten Aromatherapeuten in Deutschland zur verdünnten Anwendung von ätherischen Ölen. Meist sei eine ein- bis dreiprozentige Mischung ausreichend.

Dabei entspricht eine einprozentige Mischung etwa ein bis zwei Tropfen ätherischen Öl pro10 ml fettem Basisöl wie etwa Jojoba-, Hanf- oder Mandelöl. Einzelne Öle wie Teebaum, Niauli oder Lavendel könnten nötigenfalls auch pur zur Anwendung kommen, dies sei aber eher die Ausnahme

Keine Kompromisse

...sollten Anwender von ätherischen Ölen bei der Qualität dieser hochkonzentrierten Mittel eingehen. Die Öle sollten nach Möglichkeit aus kontrolliert biologischem Anbau stammen, da konventionellen Öle Pestizidrückstände enthalten können.

Gelegentlich werden auch bei der Extraktion oder Lagerung ätherischer Öle Fehler gemacht, die zur Folge haben können, dass die Öle entweder durch Chemikalien verunreinigt oder durch Oxidationsprozesse „verdorben“ sind. Um letzteres zu verhindern, sollten sie immer in dunkel getönten Glasflaschen lichtgeschützt gelagert und nach Ablauf der Haltbarkeit nicht mehr verwendet werden.

Vertrauenswürdige Hersteller weisen auf ihren Etiketten daher stets nicht nur genau aus, um welches Öl es sich handelt (botanische Bezeichnung, Herkunftsland, Anbauart), sondern auch wie es gewonnen und wann es abgefüllt wurde, und wie lange es haltbar ist.

Irreführende Gefahrenkennzeichnung

Nicht irritieren lassen sollte man sich dagegen durch Gefahrenzeichen und Etikettenaufschriften nach EU-Norm mit dem Hinweis „Gesundheitschädlich - kann beim Verschlucken Lungenschäden verursachen“. Schuld an diesen irreführenden Kennzeichnungen sind bürokratische Vorschriften der EU-Gefahrenstoffverordnung. Sie schreibt vor, dass einige ätherische Öle mit dieser Aufschrift und dem Andreaskreuz auf orangem Grund gekennzeichnet werden müssen, obwohl die Gefahr des Verschluckens nennenswerter Mengen schon allein aufgrund der sehr kleinen Fläschchen, in denen ätherische Öle vertrieben werden (üblicherweise in 5-10 ml Inhalt) vollkommen theoretisch ist.

Dr. Ina Schicker



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