Birgit Matejka Werner Stingl Ralf Schlenger Dr. Ina Schicker Dr. Ulrich Scharmer Dr. Fabienne Hübener

Weissbuch Heilung

Wenn die moderne Medizin nichts mehr tun kann (Kurt Langbein)

Autor: Kurt Langbein; Verlag: Ecowin; Salzburg 2014, ISBN: 978-3-7110-0042-2


Kurt Langbein begibt sich mit seinen Weissbuch Heilung - auf ein schwieriges Gebiet - er widmet sich dem Phänomen Heilung in Situationen "Wenn die moderen Medizin nichts mehr tun kann", so der Untertitel des Buchs. Das trifft leider sehr viel öfter zu als Vertreter der modernen Medizin offen zugegeben. Nicht nur bei lebensbedrohlichen Ereignissen wie Krebs stoßen Ärzte oft an ihre Grenzen, sondern oft auch bei vielen chronischen Erkrankungen, psychischen oder psychosomatisch bedingten Beschwerden und selbst bei vergleichsweise einfachen Dysfunktionen am Bewegungsapparat sind die Erfolge der Schulmedizin nicht selten bescheiden.

Dies wäre grundsätzlich kein Problem, wenn Ärzte zu den Schwächen ihrer Methoden stehen und den schwarzen Peter ihrer persönlichen Ratlosigkeit nicht in Form von Unheilbarkeitsdiagnosen an die Betroffen weitergeben würden. Denn die Zerstörung von Hoffnung ist für den weiteren Verlauf der Krankheit oft fataler als die eigentlichen Symptome auf körperlicher Ebene.

So bleibt es in scheinbar ausweglosen Situationen in der Regel den Patienten alleine überlassen, sich Heil auf anderen Wegen zu suchen. Moderne Mediziner sind nur selten zur Kooperation mit komplementärmedizinischen oder alternativen Ansätzen bereit und reden diese stattdessen meist schlecht.

In seinem Buch zeigt Kurt Langbein anhand vieler konkreter Beispiele aus der Praxis auf, dass Heilung ein äußerst komplexer Vorgang ist, bei dem es vor allem darauf ankommt, die individuellen Ressourcen eines Menschen zu stärken. Und für diesen Prozess - der im Kopf beginnt - braucht es soziale Interaktion: "... einen Menschen, dem wir tief vertrauen, um einen aus dem Gleichgewicht geratenen menschlichen Organismus wieder die Möglichkeit zu geben, sich neu zu positionieren." Langbein krititisiert schonungslos: "...viele Patienten haben im Medizinbetrieb keine Chance, einen solchen Wegbegleiter zu finden. Diese wohl wichtigste Rolle zu erfüllen, ist in der Organisationslogik einer Klinik für Ärzte gar nicht vorgesehen."

Diese Lücke füllen die meisten komplementärmedizinischen Ansätze. Denn bei ihnen steht fast immer der Mensch in seiner Gesamtheit und nicht reduziert auf eine Krankheitssymptomatik im Fokus. Menschen reagieren auf menschliche Zuwendung. Physische Berührung, geistige Anteilnahme, Empathie und Beziehungen sind lebenswichtig, Isolation und Einsamkeit dagegen tödlich. Motor für Heilung sind Gefühle und Emotionen, geistige Zustände - und diese entstehen im Miteinander. Langbein belegt mit sachlichen Argumenten und harten Zahlen, warum wissenschaftlich Studien die medizinische Realität nur bruchstückhaft erfassen und es schlicht zu kurz greift, Medizin als reine Naturwissenschaft zu sehen. Er legt überzeugend dar, warum es sich lohnt, mit großer Offenheit über den naturwissenschaftlichen Tellerrand zu blicken, wenn Heilung das Ziel sein soll.

(Autorin der Rezension: Dr. Ina Schicker)