Seelische Gesundheit & sportliche Aktivität (Fuchs/Schlicht; 2012)

sportlicheche Aktivität und psychische Gesundheit
Prof. Reinhard Fuchs & Prof. Wolfgang Schlicht (Hogrefe Verlag, 2012)
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Hut ab. Ein erstaunlicher Rundumschlag, der zu vielen Aha-Erlebnissen führt. Dahinter stecken ein gutes Konzept, ein feinfühliges Lektorat und zwei Dutzend Autoren, die ihre Aufgabe ernst genommen haben und komplexes Wissen verständlich erklären können. Die Binsenweisheit, dass Sport gut für die Seele ist, muss nach der Lektüre nochmal gründlich hinterfragt werden.

Sport hebt die Stimmung, aber eben nicht bei allen und manche bringt er eher zur Verzweiflung (danke, dass das mal jemand ausspricht). Dass die Vorstellung vom Runners High, der den positiven Effekt des Sports auf die Psyche vermitteln soll, nicht mehr haltbar ist, ahnte man schon. Wie komplex die Beziehung von Sport und Psyche ist, jedoch nicht. So kann sportliche Aktivität das Selbst boosten, auch wenn man überhaupt nicht an Fitness zugelegt hat. So kann Sport in der Gruppe das psychische Wohlbefinden auch in den Keller treiben. Und dass man beim Joggen nicht immer gut drauf kommt, darf man nun endlich auch mal laut sagen, ohne für pathologisch erklärt zu werden.

Mehr Sport stärkt die soziale Funktionsfähigkeit - allerdings nur bei Frauen. Mehr Sport sorgt durchaus auch für positives Empfinden. Aber die umgekehrte Richtung gilt auch: Wen ein Glückshauch anweht, bewegt sich sofort mehr. Wäre das alles eins zu eins gültig, müssten wir nach etwas Sport in einen Glücksstrudel geraten. Das tun die meisten von uns aber nicht. Im Gegenteil, viele fühlen sich von der Couch einfach stärker angezogen als vom Trimmdichpfad. Warum das so ist, danach sucht die Forschung noch und dieses Buch gibt dazu viele interessante Anregungen.

Fazit: Wer im Jahre 2012 etwas zum Thema Sport und Psyche sagen oder schreiben will, kommt an diesem guten Überblick nicht vorbei.

(Rezension: Fabienne Hübener)