Birgit Matejka
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Zahnschmerzen

Quälende Schmerzen im Mund kurierte man bis ins 19. Jahrhundert hinein mit dem Brenneisen – ohne Betäubung. Inzwischen gibt es zum Glück bessere Möglichkeiten der Behandlung und Vorbeugung.

Dick Backe

Wenn bestimmte Bakte rienarten im Mund die Oberhand gewinnen, können diese Keime die Zahngesundheit beeinträchtigen. Dann drohen Karies, Parodontitis und mitunter höllische Schmerzen.

Foto: © Piotr Marcinski - Fotolia.com

Stechen, Pochen, Ziehen

Zahnschmerzen haben viele Gesichter. Da sie vom Kiefer bis hoch in den Kopf ausstrahlen können, gehören sie zu den schlimmsten körperlichen Qualen, die der Mensch bisweilen ertragen muss.

„Mitunter sitzt die ganze Seele in eines Zahnes dunkler Höhle“, wusste schon Wilhelm Busch. Und jeder, den schon einmal ein Zahn mit stechenden oder auch pochenden Beschwerden gequält hat, wird ihm sofort zustimmen. Denn Zähne gehören zu den Körperteilen, die eines der stärksten Schmerzgefühle überhaupt erzeugen können. Der Grund dafür sind die Nervenfasern, die jeden einzelnen von ihnen durchziehen. Werden sie gereizt, sei es durch Hitze, Kälte, Süßes, Bakterien oder Druck, empfinden wir Schmerz. Normalerweise sind die Nerven-fasern durch Zahnschmelz und Zahnfleisch geschützt. Weh tut es erst, wenn diese Bar-riere stellenweise zerstört ist und Reize oder Krankheitskeime bis zu den sensiblen Berei-chen vordringen können.

Schmerzen im Zahnbereich sollte man deshalb immer ernstnehmen und bald den Zahnarzt aufsuchen. Manchmal liegen die Ursachen jedoch gar nicht in der Mundhöhle, sondern in benachbarten Körperregionen, wie den Nasennebenhöhlen oder Ohren. Oft verrät aber schon die Art der Pein, wo die Ursache liegen könnte.

Typisch dicke Backe

Ein eher „pochender“ Dauerschmerz, der häufig in die Umgebung ausstrahlt, möglichweise in Verbindung mit Rötungen und Schwellungen, deutet auf eine Entzündung als Quelle des Übels hin. Sie kann das Zahnfleisch, aber auch das Zahnmark (Pulpa) betreffen. Man spricht dann von einer Pulpitis. Diese entsteht am häufigsten durch eine unbehandelte Karies, die sich ausbreitet und schließlich das Zahnmark befällt. Dringen Bakterien in dieses Gewebe ein, entsteht eine Entzündung. Diese reizt die feinen Nervenbahnen, die das Mark durchziehen und die diese Empfindung an das Gehirn weiterleiten.

Selbst wenn der Schmerz dann plötzlich wieder verschwindet, ist das kein Zeichen für Heilung, sondern vielmehr für eine dauerhafte Schädigung des Nervs. Er stirbt ab, und die Entzündung wird chronisch. Es besteht außerdem die Gefahr, dass sie über die Wurzelkanäle bis zum Kieferknochen und die umliegenden Weichteile vordringt. Hat die Entzündung von der Wurzel aus be-reits auf das umliegende Zahngewebe über-gegriffen, macht sie sich häufig durch die  typische „dicke Backe“ bemerkbar. Als Folge reagiert der betroffene Zahn zunehmend schmerzhaft auf Berührung.

Entzündetes Zahnfleisch reagiert auf die bakterielle Attacke ebenfalls mit Schwellung und Rötung. Blutet es zusätzlich beim Zähneputzen, ist das ein Alarmzeichen, das man nicht länger ignorieren sollte.

Ziehender Schmerz

Immer mehr Menschen verleidet ein blitzartiger Schmerz im Kiefer, sobald etwas Süßes, Saures, Kaltes oder Heißes ihre Zähne berührt, selbst an heißen Sommertagen die Lust auf ein kühles Eis. Der Grund für diese Überempfindlichkeit ist ein fehlender oder angegriffener Zahnschmelz. In vielen Fällen liegt die Ursache dafür in einem zu ruppigen Umgang mit der Zahnbürste oder einer falschen Putztechnik, mit der sich die Betroffenen diese Schutzschicht regelrecht wegschrubben. Die Folge sind keilförmige Defekte. Eine weitere mögliche Ursache ist der Abbau von Zahnschmelz durch Säuren aus der Nahrung, von Fachleuten als Erosion bezeichnet.

Kommt es infolge von Kauüberlastung durch Knirschen oder Pressen zu sogenannten keilförmigen Defekten oder zu freiliegenden
Zahnhälsen durch eine Entzündung des Zahnbetts, hat das ebenfalls eine Überempfindlichkeit zur Folge. Der Grund: Ohne Zahnschmelz oder Zahnfleisch sind die feinen mit Flüssigkeit gefüllten Kanälchen (Dentintubuli), die das Dentin durchziehen, chemischen, thermischen oder mechanischen Reizen von außen schutzlos ausgesetzt. Diese leiten sie an das empfindliche Zahnfleisch – die Pulpa – weiter, wo ebenfalls Nervenfasern verlaufen. Auf diesem Weg gelangen diese Empfindungen schließlich ins Gehirn, wo der Schmerz entsteht.

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Hygiene plus Kontrolle

Schmerzen und Erkrankungen der Zähne und des Zahnfleischs kann man zum Glück vorbeugen: durch gute Ernährung, die richtige Mundpflege und regelmäßige Besuche beim Zahnarzt.

Gesunde Ernährung und Zahngesundheit sind eng miteinander verknüpft. Deshalb sollten auf dem täglichen Speiseplan neben Rohkost auch Vollkornprodukte stehen. Denn sie müssen gut gekaut werden. Das hält die Zähne gesund und regt den Speichelfluss an. Der Speichel kann Säuren besser
neutralisieren und baut bereits aus dem Zahnschmelz herausgelöste Mineralien wieder ein. Außerdem hemmt er das Wachstum schädlicher Bakterien. Deshalb ist es wichtig, immer genug zu trinken, möglichst Wasser oder ungesüßten Tee.

Vorsicht bei Süßem und Saurem

Bei süßen Lebensmitteln ist dagegen Vorsicht geboten. Denn sie fördern das Überleben und die Vermehrung kariesauslösender Bakterien, da diese sich von Zucker ernähren. Zusammen mit Nahrungsresten und Speichelbestandteilen bilden sie auf der Oberfläche unserer Zähne einen zähen Belag – die Plaque. Bakterien produzieren bei der Verwertung des Zuckers zudem aggressive Milchsäuren, die den Zahnschmelz entkalken. Karies droht. Wird der Belag nicht regelmäßig entfernt, entzündet sich außerdem das Zahnfleisch, schwillt an, schmerzt, löst sich vom Zahnhals und legt ihn frei.

Neben Haushaltszucker schaden auch Trauben-, Frucht-, Milch- und Malzzucker dem Zahn. Sie sind zum Beispiel in Ketchup, Mayonnaise oder Senf enthalten. Kartoffelchips oder Cornflakes wiederum enthalten Stärke, die der Karies in die Hände spielt.

Wenn man schon nascht, dann möglichst nach den Hauptmahlzeiten und nicht über den ganzen Tag verteilt. Für den kleinen Hunger zwischendurch eignen sich Leckereien mit zahnfreundlichen Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen wie etwa Xylitol.

Auch Saures aus Zitrusfrüchten, Fruchtsäften, Essig, Brause- oder Kautabletten schädigen den Zahnschmelz. Denn die darin enthaltenen Säuren entziehen der Zahnoberfläche ebenfalls Mineralstoffe und führen so auf Dauer zu einem Verlust an Zahnhartsubstanz. Dies gilt auch für saure Gemüse wie Spinat, Mangold oder Rhabarber.

Saure Lebensmittel, die viel Calcium enthalten, wie Joghurt, Buttermilch, Joghurtdressings oder Käse sind dagegen unbedenklich, da der Mineralstoff die Säure bindet.

Wichtig: Die Zähne frühestens 30 Minuten nach dem Genuss von Saurem putzen. In der Zwischenzeit den Mund mit Wasser ausspülen oder einen zuckerfreien Kaugummi kauen. Das Kauen lässt den Speichel fließen, der die Säure neutralisiert.

Bürsten und fädeln

Um Kariesbakterien den Nährboden zu entziehen, sollte man die Zähne zweimal am Tag, zwei Minuten lang mit einer fluoridhaltigen Zahncreme putzen. Vor allem nach klebrigen, süßen Zwischenmahlzeiten empfiehlt sich ein zusätzlicher Putzgang.

Die Zahnbürste sollte man spätestens nach zwei bis drei Monaten gegen eine neue austauschen. Experten raten zur Wahl einer mittelharten Bürste mit kleinem Kopf und abgerundeten Borsten aus Kunststoff. Die schwer erreichbaren Zahnzwischenräume sollte man einmal am Tag mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen reinigen. Schwangere müssen ganz besonders auf ihre Mundhygiene achten. Denn sie haben hormonelle Veränderungen zu verkraften, die das Risiko für eine Zahnfleisch- und Zahnbettentzündung (Gingivitis und Parodontitis) erhöhen.

Auch bei Babys ist schon tägliche Zahnpflege angesagt, sobald sich der erste Milchzahn zeigt. Am besten mit Wattestäbchen oder weichen Kinderzahnbürsten. Zahnärzte raten, einmal am Tag mit einer fluoridhaltigen Kinderzahncreme zu putzen. Spätestens wenn das Kind zwei Jahre alt ist, sollten Eitern die Zähne zweimal täglich von Belägen befreien. Mit etwa drei Jahren kann das Kind dann selbst mit dem Putzen beginnen. Bis zum Schulkindalter sollten Eltern jedoch nachputzen bzw. das Putzergebnis kontrollieren.

Durch eine regelmäßige zahnärztliche Kontrolluntersuchung, bei Bedarf mit zusätzlicher professioneller Zahnreinigung, kann man Probleme wie Karies oder Zahnfleischerkrankungen früh entdecken und rechtzeitig mit einer Therapie beginnen. Deshalb sollten Erwachsene zweimal im Jahr einen Zahn-Check einplanen. Kinder sollte man langsam an den Zahnarztbesuch gewöhnen, sobald der erste Milchzahn durchgebrochen ist. Ist das Milchzahngebiss vollständig, wird es Zeit für regelmäßige Checks.

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Die besten Therapien

Zahnschmerzen entstehen selten ohne Grund. Diesen herausfinden und das Problem dauerhaft lösen kann aber nur der Arzt. Bis dahin können Sie sich mit einfachen Hausmitteln selbst helfen.

Meist treten Schmerzen gerade dann auf, wenn der Hauszahnarzt nicht erreichbar ist: nachts, am Wochenende oder an den Weihnachtsfeiertagen. Da kann sich glücklich schätzen, wer einige bewährte Hausmittel kennt, die ihm vorübergehend Linderung verschaffen.

Bewährte Hausmittel

Schnelle Erleichterung bringt das vorsichtige Kauen einer Gewürznelke. Das Gewürz enthält ein schmerzstillendes ätherisches Öl. Alternativ gibt es Nelkenöl auch in der Apotheke. EinigeTropfen davon auf ein mit Wasser getränktes Wattestäbchen geben und auf den betroffenen Zahn tupfen. Schmerzt das Zahnfleisch, zwei Tropfen Nelkenöl in ein Glas Wasser träufeln und damit einige Minuten lang die Mundhöhle ausspülen. Bei Zahnfleischentzündungen unterstützt das Öl zusätzlich den Heilungsprozess, indem es das Wachstum der Bakterien hemmt. Achtung: Für Schwangere ist das Nelkenöl nicht geeignet, da es wehenauslösend wirkt. Für sie gibt es Alternativen: Mundspülungen mit Kamillen-, Salbei- und grünem Tee oder eine Teebaumöl-Verdünnung.

Das hilft hilft, die Zahnschmerzen bis zum Untersuchungtermin zu lindern: Kauen auf einer Gewürznelke oder den btroffenen Zahn mit Nelkenöl betupfen.

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Kalte Umschläge, Kältepads oder Eisbeutel, von außen an die schmerzende Stelle gehalten, sorgen vor allem bei starken Entzündungen, Abszessen und nach Wurzelbehandlungen für Linderung. Von Wärme, Alkohol, Koffein und Nikotin sowie zu heißen oder zu kalten Getränken und Speisen sollte man sich fernhalten. Sie können die Beschwerden verschlimmern. Zahnende Babys leiden immer wieder unter Schmerzen, wenn die Zähne durchbrechen. Ihnen hilft das Herumkauen auf einem gekühlten Beißring oder einer getrockneten Veilchenwurzel aus der Apotheke. Zusätzlich kann man Kamillen- oder Salbeitee mit einem Wattestäbchen auf die schmerzenden Stellen auftragen und einmassieren.

Medikamente einsetzen

Ist das Pochen im Zahn zu stark, bleibt oft nur noch der Griff zur Tablette. effektiv sind Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Ibu­profen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Para­cetamol. Davon ist nur letzteres auch für Schwangere geeignet. etwa sieben  bis zehn Tage vor einer Zahn­OP sollte man kein ASS einnehmen. Das Schmerzmittel wirkt blut­verdünnend und lässt  Wunden leichter und länger bluten. Für all diese  Wirkstoffe gilt: Ohne ärzt liche Kontrolle sollte man keinen davon über einen längeren Zeitraum ein­ nehmen!

Karies und Parodontitis

Der Zahnarzt behandelt kariöse Defekte mit Fluoridpräparaten oder Laser, versorgt die Löcher mit Füllungen oder tauscht störende  oder schadhafte Füllungen aus. Betrifft die entzündung den Zahnhalte­apparat (Parodontitis), befreit der arzt die Wurzel oberfläche erst von Plaque und Zahn­stein, um sie dann zu glätten. eventuell sind Spülungen mit antibakteriellen Mitteln oder eine Behandlung mit antibiotika nötig, um
die Bakterien erfolgreich zu eliminieren. Ist die Zahnwurzel betroffen, hilft nur noch eine Wurzelbehandlung. Dabei entfernt  der arzt entzündetes und bereits abgestor­benes Gewebe aus dem Wurzelkanal und füllt diesen anschließend mit Zement, Kunst­stoff oder anderem Material auf. Lassen sich Schmerzen und entzündung damit nicht dauerhaft beseitigen, kann es nötig sein, die Wurzelspitze zu kappen.

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» Interview zum Thema übersensible Zähne mit Frau Dr. Christina Ern

Dr. Christina Ern
Zahnärztin mit Schwerpunkt
Parodontologie an der Poliklinik
für Zahnerhaltung und Parodon­tologie
der LMU München


1. Was sind die Ursachen für übersensible Zähne?
Zunächst einmal Zahnerosionen, ausgelöst durch saure Nahrungsmittel oder körpereigene Säuren, die in den Mund gelangen, etwa bei Bulimie. Beim häufi­gen erbrechen, greift die Magensäure den Zahn­schmelz an. Sehr selten entstehen Schäden am Zahn­schmelz auch durch zu häufiges Putzen.


2. Ist das Karies-Risiko dadurch erhöht?
Bei erosionen und keilförmigen Defekten ist das Risi­ko für eine Karies nach meiner erfahrung nicht erhöht, sofern weiterhin auf eine gute Mundhygiene geachtet wird. Liegen dagegen die Zahnhälse frei, besteht
durchaus eine verstärkte anfälligkeit für Schäden durch Kariesbakterien.


3. Was hilft gegen das unangenehme Ziehen?
Ich empfehle die anwendung einer speziellen Zahn­pasta für hypersensible Zähne. Zusätzlich ist es sinn­voll, etwa einmal wöchentlich mit einem fluoridhalti­gen Gel aus der apotheke zu putzen.


4. Und wenn das nicht ausreicht?
Dann kann der Zahnarzt einen speziellen Lack auf die Zähne auftragen oder die Dentinkanälchen mit einem dünnflüssigen Kunststoff verschließen. Das ist derzeit die wirksamste Methode. Durch das Putzen wird die dünne Schicht allerdings allmählich wieder abgetra­gen, weshalb sie in der regel nach drei bis vier Mona­ten erneuert werden muss. einige Zahnärzte ver­schließen die Kanälchen auch mit einem Laser.


5. Auch Zähneknirschen schädigt den Zahn-
schmelz. Was kann man dagegen tun?
In diesem Fall hilft das nächtliche Tragen einer Schie­ne. es empfiehlt sich, diese schon eine Weile vor dem Zubettgehen in den Mund zu nehmen. So kann man sich daran gewöhnen. Dann fällt das einschlafen mit der Schiene im Mund leichter.

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