Birgit Matejka
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Waldbaden

Stärkung von Körper und Psyche

Der Wald ist ein Ort der Ruhe und Erholung. Er wirkt sich aber auch positiv auf unsere Atemwege, das Herz-Kreislauf-System, die Psyche sowie das Immunsystem aus und mobilisiert sogar die natürlichen Krebs-Killerzellen.

Die nach Blumen, Kräutern und feuchtem Wald­boden duftende kühle Luft, das Rauschen der Blät­ter, der vielstimmige Gesang der Vögel und das abwechslungsreiche Spiel von Licht und Schatten, kaum etwas eignet sich so gut zum Abschalten und Auftanken wie ein Spaziergang im Wald. Japani­sche Forscher haben schon früh erkannt, dass ein Aufenthalt im Wald auch eine ganze Reihe positiver gesundheitlicher Effekte hat. Wie Dr. Arnulf Hartl (Salz­burg/Österreich) auf einer Veranstaltung im Hotel Schloss Kranzbach in Klais berichtete,entwickelten die Japaner schon 1982 das Konzept des „Shinrin­ yoku",was soviel bedeutet wie „Baden in der Wald­luft" oder kurz „Waldbaden".

Waldbaden mobilisiert Killerzellen
Das Team um den Umweltimmunologen Prof. Ging Li von der Nippon Medical School in Tokyo konnte inzwischen in mehreren Studien belegen, dass sich Waldaufenthalte unter anderem positiv auf die körpereigene Abwehr auswirken.1-3 Die Wissen­schaftler schickten gesunde Studienteilnehmer für drei Tage in eine Waldgegend. Um Veränderungen überprüfen zu können, nahmen die Forscher vor, während und nach dem Waldausflug Blut- und Urin­proben. Dabei stellten sie fest, dass die durch­schnittliche Aktivität und Zahl der natürlichen Killerzellen (NK-Zellenl und die Konzentration von krebshemmenden Proteinen wie Perforin, Granuly­sin und Granzymen bei den männlichen und weibli­chen Probanden während des Aufenthalts im Wald signifikant höher lagen als zuvor, was auf eine krebspräventive Wirkung hindeutet. Denn erst kürz lich hatten Wissenschaftler herausgefunden, dass NK-Zellen,wenn sie bei ihren Patrouillen in unserem Körper auf Zellen stoßen,die sie als Tumorzellen er­kennen, diesen einen tödlichen Protein-Cocktailinji­ zieren.2 Die erhöhte Aktivität der Killerzellen ließ sich für mehr als 30 Tage nach dem Ausflug nachweisen. Die Autoren der Studie gehen deshalb davon aus, dass ein „Waldbade-Trip" pro Monat ausreicht, um den positiven Effekt aufrechtzuerhalten. Außerdem beobachteten sie einen geringeren Stresslevel sowie eine verringerte Ausschüttung von Stresshormonen. Ein Stadtausflug führte dagegen zu keinem der be­schriebenen Effekte.
Noch nicht ganz klar ist, wie der Einfluss des Wal­des zustande kommt. Hartl vermutet, dass soge­nannte Phytonzide in der Waldluft dafür verant­ wortlich sind,also jene Substanzen,die Bäume zur Abwehr von Schädlingen absondern und die beim Menschen entzündungshemmend wirken.
Bei Männern mittleren Alters bewirkte ein zwei­tägiger Aufenthalt im Wald zudem, dass der An­teil der Lymphozyten im Blut deutlich stieg. Es wird vermutet, dass auch hierbei vor allem Phy­tonzide und Terpene eine Rolle spielen, aber auch Mikroorganismen, Mikroben, Pilzsporen und negativ geladene Luftionen könnten einen Einfluss haben.

Weniger chronische Schmerzen, bessere Lungenfunktion
Hartl zufolge wirken sich Aufenthalte im Wald auch positiv auf chronische Schmerzen aus. So führte in einer Studie ein zweitägiges Waldthera­ pie-Programm im Vergleich zur Nicht-Intervention zu einer signifikanten Schmerzreduktion, einer Verringerung von Depressionssymptomen, einer Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebens­ qualität sowie einer Zunahme der NK-Aktivität.4 Außerdem scheinen sich Wälder positiv auf das Herz-Kreislauf-System auszuwirken. So führten schon kurze Besuche im Wald zu einem niedrigeren Puls, verbesserten Blutdruckwerten und optimierter Herzfrequenzvariabilität.5-7

Mehr Tatkraft, kürzere Krankenhausaufenthalte
Waldumgebungen haben aber auch einen positi­ven Effekt auf die Psyche. So zeigen Untersuchun­ gen, dass das „Waldbaden" im „Profile of Mood States Test" sowohl bei weiblichen als auch bei männlichen Probanden die Werte für Spannung, Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit, Müdigkeit so­ wie Verwirrung signifikant senkt und den Wert für Tatkraft deutlich erhöht.7-8 Gerade Krebspatienten könnten regelmäßige Waldspaziergänge möglicher­ weise helfen, neue Kräfte zu sammeln und mit den Nebenwirkungen ihrer Therapie besser fertig zu werden.
Bei frisch operierten Patienten nach einer Gallen­ blasenentfernung in einer US-amerikanischen Kli­nik wirkte sich sogar der bloße Anblick von Bäumen positiv aus. Die Patienten, die von ihrem Kranken­ zimmer aus auf eine Baumgruppe blicken konnten, wiesen einegeringere Zahl postoperativer Kranken­ haustage auf, als jene Patienten, deren Blick aus dem Fenster lediglich auf eine gegenüberliegende Backsteinwand fiel.9
Inzwischen gibt es in Japan und vereinzelt in den USA bereits 50 Waldtherapie-Zentren mit Wald­ therapeuten und Waldwegen, die man mit zertifi­ zierten Führern begehen kann.In Südkorea gibt es mittlerweile über 100 Erholungs- und Therapie­ wälder, die mit Besucherzentren,Waldheilpfaden und einfach umsetzbaren Sportangeboten ausge­ stattet sind. Auch in Deutschland haben die ers­ ten Kurorte bereits Interesse an der Umsetzung dieser Idee gezeigt.

Quellen:

  1. Li 0, Morimoto K, Nakadai A et al.,lnt J lmmunopathol Pharma­ col 2007; 20: 3-8
  2. Li 0, Morimoto K, Kobayashi M et al., lnt J lmmunopathol Phar­ macol 2008; 21:117-128
  3. Li 0, Morimoto K, Kobayashi M et al., J Biol Regul Homeost Agents 2008;22:4Y-55
  4. Han JW et al.,lntJ Environ Res Public Health 2016;13(3): E255, doi:10.3390/ijerph13030255
  5. Lee J,Tsunetsugu Y,Takayama Net al.,Evidence-Based Comple­ mentary and Alternative Medicine 2014,Article ID 834360
  6. Li 0, Otsuka T,Kobayashi M et al., 18TEuropean journal of ap­ plied physiology 2011;111(18T): 2845-2853
  7. Ochiai H, lkei H,Song C et al,International Journal of Environ­ mental Research and Public Health 2015; 12(3): 2532-2542
  8. Ochiai H, lkei H,Song C et al., International Journal of Environ­ mental Research and Public Health 2015; 12(12): 15222-15232
  9. Ulrich RS,Science, New Series 1984;224(4647): 42o-421

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