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Jeden dritten Tropenreisenden trifft "Montezumas Rache"

Durchfälle sind die häufigsten gesundheitlichen Probleme, mit denen Reisende in Ländern mit niedrigem Hygienestandard zu kämpfen haben. Um zu vermeiden, dass die schönsten Wochen des Jahres nicht auf dem stillen Örtchen enden, sollte Aufklärung in Sachen Durchfall unbedingt Teil der reisemedizinischen Beratung sein.

Wer nicht den größten Teil seines Urlaubs auf dem Stillen Örtchen zubringen möchte, sollte auf Hygieneregeln achten.

Foto: www.JenaFoto24.de / pixelio.de

Etwa 30 bis 40 Prozent der Reisenden, die es in tropische und subtropische Länder zieht, sind gezwungen einige der schönsten Tage des Jahres auf dem stillen Örtchen zu verbringen.

Auf Nilkreuzfahrten sucht Montezumas Rache oder der Pyramiden-Sidestep, wie die Erkrankung auch genannt wird, sogar 80 Prozent der Passagiere heim. Ursache für Reisedurchfälle ist fast immer eine Schädigung der Darmschleimhaut durch Bakterien, Viren oder Parasiten. Fast immer gehen sie mit vermehrtem Flüssigkeits und Salzverlust einher. Die Reisediarrhöe verläuft in den meisten Fällen milde und ist für ansonsten gesunde Erwachsene relativ harmlos. Nur etwa 20 Prozent der Betroffenen müssen das Bett hüten und lediglich für etwa ein Prozent wird ein Krankenhausaufenthalt  nötig. Dennoch ist es wichtig, Patienten darüber aufzuklären, wie sie sich verhalten und wann sie unbedingt einen Arzt aufsuchen sollten.

Der Erreger bestimmt die Art des Durchfalls

Die typische Reisediarrhöe macht sich in der Regel am dritten oder vierten Tag nach der Ankunft bemerkbar und peinigt die Betroffenen durchschnittlich drei bis fünf Tage. Die meisten von ihnen haben vier bis fünf wässrige Entleerungen pro Tag. 20 Prozent der Betroffenen müssen dieToilette allerdings bis zu 20-mal aufsuchen. Nur in etwa zehn Prozent der Fälle hält das Ungemach länger als eine Woche an. Selbst die eher milden Verlaufsformen können mit Übelkeit, Erbrechen, abdominellen Krämpfen und erheblichem Krankheitsgefühl einhergehen. Verursacher der Reisediarrhöe sind zu etwa 80 Prozent bakterielle Erreger. Ebenso wie bei Viren treten die Beschwerden
aufgrund der kurzen Inkubationszeit bereits innerhalb weniger Tage auf. Beginnen die Durchfälle später als acht bis zehn Tage nach Rückkehr oder sind sie langanhaltend oder rezidivierend, sollten Parasiten, wie beispielsweise Helminthen, als Erreger in Betracht gezogen werden. Im Rahmen von Tropenkrankheiten sind immer Malaria tropica und Amöbiasis auszuschließen, die ebenfalls mit fiebrigen und blutigen Durchfällen einhergehen können.
Das Risiko an Reisediarrhöe zu erkranken, hängt stark vom Hygienestandard des Reiselandes ab. Ein hohes Risiko besteht vor allem in Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien. Darüber hinaus spielen auch individuelle Faktoren eine Rolle. So kann eine lang andauernde Säureblockade die Aufnahme pathogener Keime begünstigen. Auch Reisende mit gestörter Darmflora oder gastrointestinalen Motilitätsstörungen sind stärker gefährdet.

Den Erregern keine Chance geben

Die meisten Durchfallerkrankungen lassen sich jedoch durch überlegtes und umsichtiges Verhalten vermeiden. Besonders riskant ist der Verzehr von rohem, beziehungsweise nicht durchgegartem Fleisch oder Fisch, ungekochten Speisen, Salaten, Mayonnaise, Speiseeis, Pudding, offenen Kaltgetränken und nicht schälbaren Früchten. Selbst bei Wassermelonen ist Vorsicht geboten. Mit Hilfe von Spritzen werden sie mit Wasser aufgefüllt, um das Gewicht und somit den Preis zu erhöhen.
In mehreren Studien ging das Einhalten von solchen Diätempfehlungen tatsächlich mit einer niedrigeren Diarrhöeinzidenz einher. Neben Trinkwasser und Nahrungsmittelhygiene sollten Reisende in warmen Ländern besonderen Wert auf persönliche Hygiene legen. Hierzu gehört das regelmäßige Waschen der Hände vor und nach dem Essen.
Stehen nur mehrfach benutzte Stoffhandtücher zur Verfügung, ist es besser, die Hände an der Luft trocknen zu lassen. Es gibt Untersuchungen, die auch eine mögliche prophylaktische Wirksamkeit von Saccharomyces boulardii (Perenterol®) belegen. Dieses Hefepilz-Präparat kann bei Kindern, Älteren sowie bei Patienten mit einer Magensäure- blockierenden Therapie angewandt werden. Zur Zurückhaltung raten Experten in Bezug auf die prophylaktischen Gabe von Antibiotika. Wegen möglichen Nebenwirkungen und der Gefahr der Resistenzbildung sollte man sie nur in Ausnahmefällen erwägen. Für die prophylaktische Gabe eignet sich der Wirkstoff Cotrimoxazol.

Meist reicht Rehydrierung

Liegt eine unkomplizierte Reisediarrhöe vor, reicht es meist schon den Mineral- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Die Betroffenen sollten viel trinken und Salz zu sich nehmen. Bei hohem Elektrolytverlust ist - vor allem bei Kindern und bei älteren Menschen - eine orale Rehydratation mit Fertigpräparaten wie beispielsweise Elotrans® anzuraten. Ist ein solches Fertigpräparat nicht verfügbar, kann ein Getränk nach der WHO-Regel zubereitet werden. Dafür werden acht Teelöffel Zucker und ein gestrichener Teelöffel Kochsalz in einen Liter abgekochtes Wasser gegeben.Eine spezifische Stuhldiagnostik ist in diesem Fall nicht erforderlich. Die Patienten sollten jedoch angehalten werden, einen Arzt aufzusuchen, wenn profuse Diarrhöen, massives Erbrechen, Blutbeimengungen im Stuhl oder blutig-schleimige Durchfälle, hohes oder anhaltendes Fieber und ausgeprägte Allgemeinsymptome auftreten oder der Durchfall länger als drei bis fünf Tage andauert.

Loperamid umsichtig einsetzen

Zur Behandlung des Reisedurchfalls stehen mehrere Präparate zur Verfügung. So haben sich Saccharomyces- Präparate nicht nur prophylaktisch, sondern auch bei der symptomatischen und unspezifischen Behandlung akuter Durchfälle bewährt. Motilitätshemmer wie Loperamid setzen der Hyperperistaltik im Darm in der Regel sehr schnell ein Ende. Dennoch warnen Experten vor ihrem unkritischen Einsatz, denn infolge der gehemmten Darmmotilität bleiben die Pathogene länger an ihrem Wirkort, vermehren sich dort unter Umständen weiter und verursachen dadurch noch schlimmere Beschwerden. Loperamid sollte deshalb nicht über einen längeren Zeitraum genommen oder mit einem Chinolon kombiniert werden. Die Einnahme sollte zudem auf Situationen beschränkt bleiben, in denen Durchfall zu größeren
Problemen führt, wie beispielsweise bei längeren Busfahrten oder Flügen. Wegen der bekannten Nebenwirkungungen - insbesondere Störungen der Darmflora - wird auch vor unkritischer Anwendung von Antibiotika gewarnt. Hier sind heute Gyrasehemmer wie Fluorchinolone Mittel der ersten Wahl. Während die meisten Fachleute sie nur dann für angezeigt halten, wenn gefährliche Bakterien nachgewiesen wurden, empfehlen andere sie bereits zur ungezielten Initialtherapie schon ei unkomplizierter wässiriger Reisedirrhöe. Hier ist es sicherlich notwendig, im eingelfall sorgsam abzuwägen.

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