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Die hohe Kunst der Rezeptur

Will man Cremes und Salben für Kinder mit atopischem Ekzem individuell anrühren lassen, sind einige Regeln zu beachten.

Kinderhaut darf nicht mit Noxen in Berührung gebracht werden

Foto: Günter Havlena / pixelio.de

Vor der Herstellung einer Rezeptur, so betont Apotheker Dr. Gerd Wolf aus Grafschaft-Ringen, gehe es darum, den geeigneten Wirkstoff für das Kind und sein Erkrankung auszuwählen, wobei die zulässigen Wirkstoff-Konzentrationen nur in Ausnahmefällen überschritten werden sollten. Auch muss ein adäquates Vehikelsystem gefunden werden, das der Beschaffenheit der Haut und den besonderen Resorptionsverhältnissen bei Kindern Rechnung trägt. Ein weiterer wichtiger Faktorist ist die Stabilität von Cremes und Salben, da sie darüber entscheidet, wie lange die Produkte angewendet werden können.

Kompatibilität der Inhaltsstoffe berücksichtigen

„Um die empfindliche Haut der Kinder nicht mit Noxen in Berührung zu bringen, sollten für die Rezepturen nur Grundlagensysteme verwendet werden, die kein Wollwachs oder Wollwachsalkohole und keinen Cetylstearylalkohol enthalten", unterstreicht Wolf. Als einzige offizielle - also in Apotheken vorrätige - Alternativen seien hier die Hydrophobe Basiscreme DAC und die Nichtionische hydrophile Creme SR DAC zu nennen. Sie werden vorgefertigt angeboten. Als Inkompatibilität wird die Unverträglichkeit zwischen zwei oder mehreren Bestandteilen eines Dermatikums bezeichnet. Sie können zwischen Hilfsstoffen oder zwischen Wirk- und Hilfsstoffen auftreten. Zu Inkompatibilitäten könne es beispielsweise kommen, wenn ein kationischer Wirkstoff wie Chlorhexidindiglukonat in wasserhaltigen Zubereitungen mit anionischen Dermatiicabestandteiien (beispielsweise einem anionischen Emulgator, wie er in Unguentum emulsificans aquosum DAB enthalten ist) zusammen verarbeitet werde. „Das hatzur Folge, dass der Wirkstoff nicht mehr so wirkt, wie er sollte", erläutert Wolf. Alternativ könne man eine Nicht-ionische hydrophile Creme DAB verwenden. Jeder Wirkstoff, der in einer Rezeptur verarbeitet wird, hat ein charakteristisches pH-Stabilitätsoptimum.Wirkstoffe, die mehr als 1,5 pH-Schritte auseinanderliegen, dürfen, wie Wolf mahnt, nur in sehr wenigen Ausnahmefällen in einer Rezeptur verarbeitet werden. Das ist unter anderem bei der Kombination des Breitbandantimykotikums Clotrimazol (pH 7-8) und Bufexamac (pH 4-5) der Fall. Es ist deshalb ratsam, diese Stoffe in getrennten Zubereitungen zu verarbeiten und sie dann mit einem zeitlichen Abstand von vier bis fünf Stunden anzuwenden. Alternativ könnte ein Anitmykotikum mit günstigerem pH-Stabilitätsoptimum wie beispielsweise Miconazolnitrat zum Einsatz kommen, das auch im sauren Bereich stabil bleibt. Ein Sorgenkind in Rezepturen sei Erythromycin, so Wolf. Denn es habe ein extremes pH-Stabilitätsoptimum von 8,5. Deshalb dürfe man es keinesfalls gemeinsam mit Bufexamacverarbeiten - einer Substanz die ohnehin in Verdächt steht, Kontaktallergien auszulösen. Wolf empfiehlt stattdessen die standardisierte Rezeptur Hydrophile Erythromycin- Creme 0,5/1/2/4 Prozent. Auch Harnstoff sei ein problematischer Inhaltsstoff, da er in wasserhaltigen Zubereitungen instabil sei und sich in die Ausgangsstoffe zersetze, erläutert der Apotheker. Er muss deshalb mit einem Laktatpuffer stabilisiert werden, um eine Aufbrauchfrist von sechs Monaten zu garantieren.

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