Birgit Matejka
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Birgit Matejka Werner Stingl Ralf Schlenger Dr. Ina Schicker Dr. Ulrich Scharmer Dr. Fabienne Hübener

Auch ohne Haare gut aussehen

Spätestens wenn der morgendliche Blick in den Spiegel die ersten kahlen Stellen auf dem Kopf offenbart, wird eine Krebserkrankung auch nach außen sichtbar. Gerade für Frauen ist das fast immer ein Schock und psychisch sehr belastend. Mit ihren Kappen, Mützen, Turbanen und Hüten will die ehemalige Krankenschwester Katharina Roßmann Krebs-Patientinnen über diese schwere Zeit hinweghelfen. "lch treffe mich schon vor dem Beginn der Chemotherapie mit den Betroffenen und zeige ihnen, dass sie auch ohne ihr Haar gut aussehen können."

Pfiffige Mützen und Tücher, statt herkömmlicher Perrücken. Roßmanns Kreationen machen es möglich

Fotos: Birgit Matejka

Lange Zeit blieb den Frauen nur der Griff zu teuren und teils altmodisch wirkenden Perücken, um ihre Blöße zu verbergen. Mit einem Perrücken-Service hat denn Roßmann ihr Geschäft hegonnen. Da sie ihren Kundinnen, aber immer wieder nach Käppis und Tüchern gefragt wurde, entschloss sich die Münchernier vor vier Jahren, das Angebot zu erweiern. Die Idee zu ihrem Geschäft "Jollytops" war geboren.

Hüte, Mützen und Kappen sind ehrlicher, als Perrücken

"Diese Kopfbedeckungen sind die ehrlichere Variante", findet sie. "Damit verbergen die Frauen zwar auch ihre Glatze vor den Blicken der Öffentlichkeit. Sie versuchen aber nicht, eine Haarpracht vorzutäuschen, die nicht mehr da ist." Zudem stellen die Kappen, Hüte und Mützen für die 37-Jährige die größere Herausforderung dar. Denn sie müssen aus weichen Materialien gefertigt werden, damit sie auf der bloßen Kopfhaut nicht reiben.

Rossmann achtet bei den Schnitten auch immer drauf, dass Kappen und Hüte über den Haaransatz reichen und - beispielsweise durch Falten und Abnäher - Volumen suggerieren. Die Tücher sind so geschnitten, dass sie sich leicht binden lassen und die gesmte Kopfhaut bedecken. 

Die Kundinnen in München und der näheren Umgebung besucht Roßmann persönlich. Bis zu einer Stunde nimmt sie sich dafür jeweils Zeit, führt ihre Kollektion vor, zeigt, wie man die Tücher richtig bindet und gibt bei Bedarf auch Schminktipps. Verdienen tut sie dabei lediglich am Verkauf der Kopfbedeckungen. Die Beratung versteht Roßmann als zusätzlichen Service. Wer weiter entfemt wohnt, hat derzeit allerdings nur die Möglichkeit, online odcr telcfonisch zu hestellen. Drei Frauen eines Call-Centers, die Roßmann elngewiesen hat, nehmen die Aufträge entgegen.

Bei den Kundinnen handelt es sich vorwiegend um Frauen nach der Erstdiagnose. "Die stehen meist noch unter Schock", berichtet die ehemalige Krankenschwester. "Diesen Frauen zeige ich, dass sie etwas tun konnen, um trotz ihrer Erkrankung schick und attraktiv auszusehen."
 
Rossmann weiß auch um die ganz alltäglichen Probleme der Betroffenen:"Wenn zum Beispiel der Postbote oder die Nachbarin klintelt, dann brauchen sie eine schlichte Kopfbedeckung, die sie sich mit wenigen Handgriffen überziehen können, bevor sie die Tür öffnen." Da viele der Frauen nachts frieren, bietet sie auch Nachtkappen an.

Ganz. anders als Erhankte mit Erstdiagnose begegnen Roßmann jene Krebs-Patietinnen. bei denen ein Rezidiv festgestellt wurde. "Diese Frauen haben einen klaren Blick, sind sehr geradlinig und wissen ganz genau, was sie wollen." Bei denen stehe zudem der praktische Nuzen der Kopfbedeckungen viel stärker im Vordergrund.

Enge Zusammenarbeit mit Kliniken und Niedergelassenen

Roßmann hat inzwischen Kontakte zu Kliniken und niedergelassenen Gynäkologen geknüpft und will diese künftig noch weiter ausbauen. Auf einschlägigen Kongressen ist sie mit einem Infostand vertreten. Gerne würde sie noch mehr Vorträge halten und weitere Mitarbeiterinnen ausbilden, die dann die Beratung von Krebs-Patientinnen in anderen Regionen Deutschlands ühernehmen könntenen. Deshalb ist sie derzeit auf der Suche nach Sponsoren und Kooperationspartnern.
An guten Ideen mangelt es der Untemehmerin nicht. Denn sie sicht in der Beratung von Krebs-Palientinnen mehr als nur irgendeinen Job. "Durch den Kontakt zu diesen starken Frauen hat sich mein Blick auf das Leben verändert", betont sie.

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